Natural History Museum Library

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April 1885. No. I. Il. Jahrgang.

IE ENSEKTEN- WELT

Zeitschrift | des Internationalen Entomologen-Vereins.

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Herausgegeben unter Mitwirkung hervorragender Entomologen und Naturforscher.

Die Insekten-Welt erscheint monatlich zwei Mal und kann durch jede Postanstalt, Buchhandlung oder direkt von der Entomologischen Verlags-

buchhandlung (W. Lehmann) in Werder a. Havel zum Preise von 2 Mark pro Quartal bezogen werden, Insertionspreis pro dreigespaltene

Nonpareille-Zeile oder deren Raum 10 Pf. Die Mitglieder des Internationalen Entomologen - Vereins erhalten das Blatt für den jährlichen Mitgliedsbeitrag (5 Mark} franeo zugesandt und können freie Insertion ihrer Tausch-Offerten beanspruchen,

Inhalt: Rückblicke, Lepidopterologisches aus der Schweiz. Ueber den Nachtfang von Raupen, Rhizotrogus solstitialis L. Ueber geeignete Raupenzwinger. Die hexapoden Insekten Grossbritanniens aus der Steinkohlen-Epoche.e Wink für angehende Dipterologen. Vereins-Angelegenheiten: Anmeldungen, Todes-Anzeige, Quittung, Schwarzeliste. Feuilleton: Frühlings-Geknittel, -Buchstaben-Preisräthsel, Briefkasten der Redaktion. Inserate,

Rückblicke.

Als die Nummer 1 des Correspondenzblattes vor Jahres- frist ihre erste Reise in die Welt antrat, war es kaum ein halbes Hundert Mitglieder, welches ihrer Ankunft erwar- tungsvoll entgegensah.

Nur wenige Länder Europas hatte das Blatt damals zu

besuchen, und die Hoffnung, den Öcean zu durchkreuzen

und die Tropen zu durchwandern, lag noch in weiter Ferne,

Heut, nach kaum elfmonatlicher Thätigkeit, wandert es schon hinaus in fremde Länder, von Hunderten von Sammlern erwartet, und überall, wie zu hoffen, mit Freuden begrüsst.

Dank des Entgegenkommens der Sammler aller Orten wächst die Zahl der Vereinsmitglieder von Nummer zu Nummer, und die vielen Vortheile, welche der Verein jetzt schon seinen Angehörigen bieten kann, lassen hoffen, dass in nicht allzuferner Zeit das erste Tausend der in allen Ländern der Welt zerstreut lebenden Entomologen zu gemejinsamem Streben geeint sein wird.

„Mit vereinten Kräften“ war der Wahlspruch, mit welchem der Verein seine Thätigkeit begann und alle Vor- theile, die er bis heute seinen Mitgliedern bieten konnte, sie sind nur die Folge dieses gemeinsamen Wirkens.

Wobl auf keinem Felde der Wissenschaft ist ein möglichst enger Verkehr der Vertreter so unbedingte Noth- wendigkeit, wie auf dem weiten Gebiete der Entomologie, weil die Lösungen der hier zahlreich auftretenden Fragen für den Einzelnen fast immer unmöglich sind.

Nur gemeinsames Beobachten und Vergleichen kann hier sichere Resultate ergeben, und die stete Verbindung von gleichen Zielen nachstrebenden Männern ist Hauptbe- dingung eines sicheren Erfolges.

Wenn der Verein im ersten Jahre seines Bestehens nur der Lepidopterologie und Coleopterologie sich dienstbar gemacht hatte, so kann er heute schon in Folge der Viel- seitigkeit seiner Mitglieder einen Schritt weiter gehen und die übrigen Insektenklassen in seinen Rahmen aufnehmen,

Den neuen Verhältnissen entsprechend, war es nöthig einige Aenderungen sowohl hinsichtlich des Namens seines Organes wie in der Bezeichnung des Vereins selbst vorzu- nehmen. Nicht mehr als: „Correspondenzblatt“ wird die vorliegende Zeitschrift hinauswandern nach Nah und Fern, sondern unter dem Titel „Die Insekten-Welt* wird sie weiter versuchen, den Mitgliedern der sich nunmehr „Internationaler Entomologen-Verein“ nennenden Verbindung zu nützen und zu dienen. Auch die „Insekten-Welt“ wird ihren Lesern nur wirklich Praktisches und Nützliches bieten, alles Hochgelehrte aber zu vermeiden suchen.

Der Vorstand glaubt durch Einhaltung dieser Richtung die Interessen der Mitglieder am besten zu fördern.

Um diese Zwecke aber voll und ganz zu erreichen, ist es nöthig, dass alle Mitglieder ihre mehr oder minder reichen entomologischen Erfahrungen sich gegenseitig zur Verfügung stellen.

An jeden Einzelnen ergeht deshalb die dringende Bitte, jede neue Beobachtung, möge sie noch so unbedeutend und werthlos erscheinen, dem Vorstande gefälligst zu unter- breiten. Nur kleine Ziegeln sind es, woraus die stolzesten Paläste gebaut werden und Millionen von Bausteinen sind noch nöthig, bevor der Riesenbau entomologischer Wissen- schaft zum Abschluss kommen wird.

Die Zeit ist vor der Thür, wo des Sammlers Thätigkeit beginnt, nicht Fangen und Tödten sei allein der Inbegrift unseres Treibens, Beobachten und Forschen möge vielmehr der Zweck unseres Sammelns sein, ohne welchen all unser Thun keinen Werth hat und nur müssige Spielerei bleibt.

Schliesslich sagt der Vorstand allen Gönnern und Freunden, die redlich zum Gelingen des Werkes beigetragen haben, herzlichen Dank und bittet um fernere gütige Unterstützung.

Neudamm den 1, April 1885.

Der Vorstand des Internationalen Entomologen-Vereins.

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Lepidopterologisches aus der Schweiz. Von Fritz Rühl.

So verhältnissmässig klein der Flächenraum der Schweiz, 753 geographische [7]Meilen, so beherbergt dieselbe doch eine in ganz Europa von keinem Land übertroffene Arten- zahl von Insekten aller Ordnungen und eine Flora von mehr als 3000. Phanerogamen und nicht viel weniger Krypiogamen. Das Kulturland umfasst beiläufig 320 Meilen, die Waldungen 130, unwirthbare Felsen, Glet- scher, ewiger Schnee 80, Gewässer 40, Bahntracen, Heer- strassen 100, die Wohnbauten 35 JMeilen. Etwa 3), des Gesammtgebietes der Schweiz ist alpin. Diesen eigenthüm- lichen Verhältnissen entsprechen auch Klima und Tempe- ratur, welche eine merkwürdige Mannigfaltigkeit und einen oft nur zu rapiden schnellen Wechsel erfahren. Während der mittlere Durchschnitt der Temperatur: nach Celsius zu Bellinzona auf + 12,58 steht, geht er schon zu Einsiedeln auf 4 5,9 auf dem Julier Pass bis 0,19 herab. Bei Ex- kursionen im Wallis kann man Morgens Schmetterlinge er- beuten, die an südlichen Ursprung, an Italien erinnern, und Nachmittags solche, die nur wieder im höchsten Norden, etwa Lappland vorkommen; damit geht auch die Flora Hand in Hand, Morgens an wildem Lorbeer, Oelbäumen vorbei, Nachmittags nur mehr Pinien dann kümmerliche Arven bis fast zur Schneegrenze. Zwei Uebelstände sind es vor allem, die dem Sammler den Besuch des Hochge- birges, und namentlich die Ausbeutung des Kantons Wallis, des Eldorados aller schweizer Entomologen erschweren, ich halte sie für wichtig genug, derselben Erwähnung zu thun. Der erste entzieht sich dem Bereich menschlicher Abhülfe, es sind die vielen wolkenbruchartigen Regen im Hochge- birge, verursacht durch die Massen atmosphärischer Nieder- schläge, die manchen Sommer fast jede Exkursion vereiteln. Ich kenne nichts traurigeres, als mit kühnen Hoffnungen auf gutes Wetter und reiche Ausbeute ins Gebirge gereist zu sein, am Tage der Ankunft regnerische Witterung vorzu- finden, und drei, vier Tage vergeblich auf einen günstigen Umschlag gewartet zu haben, um nach trostloser Lange- weile und mancher Einbusse an Zeit und Geld resultatlos den Heimweg anzutreten.

Wer im Hochland 4—5 Tage bei beständig heiterem Wetter sammeln kann, ist ausserordentlich vom Glück be- günstigt und wird auch, wenn er nicht etwa speziell nur auf einzelne Arten fahnden will, die der neckische Zufall gewöhnlich versagt, reiche Ausbeute machen.

Der andere Uebelstand ist mehr persönlicher Natur, und betrifft den Geldbeutel. Im Wallis vermisst man durch- aus die in der deutschen Schweiz üblichen Gasthäuser, in denen man bei bescheidenem Comfort mässige Preise an- trifft, beziehungsweise gut aufgehoben ist. Es treten hier an die Stelle deutscher Gemüthlichkeit und schweizer Gast- freiheit luxuriös ausgestattete Hotels, die dem anspruchs- losen Entomologen alles andere eher als einen gemüthlichen Aufenthalt bieten. Die Besitzer derselben sind genöthigt, während der kurzen Reisesaison ihre Einnahmen derart zu gestalten, dass sie das theure Mobiliar, die theure bauliche Einrichtung, das kostspielige Personal einerseits, anderer- seits sich selbst und ihre Familie während der langen stillen Zeit decken können, und Einbringungen wollen sie doch auch in den Kreis ihrer Berechnung ziehen. Das

jetzt sehr geregelte Führerwesen, dessen man nie ganz ent- behren kann, ist freilich gegen früher ein ganz anderes, aber kostspielig ist es auch heute noch immer, und nichts befördert schneller, als stets die volle Börse in der Hand. Jedem auswärtigen Sammler, der ohne sich durch frühere Reisen Lokalkenntnisse erworben zu haben, versuchsweise das Hochland exploriren will, kann ich nur rathen, sich vorher an einen Freund, oder an einen Entomologen zu wenden, um sich über sein einzuschlagendes Reiseziel zu oriontiren, denn jede ins Blaue hinein unternommene Fx- kursion kostet Opfer an Zeit und Geld, und lohnt, wenn nicht ein sehr günstiger Zufall zu Hülfe kommt, nur in ganz seltenen Fällen. Dem vorzüglichen Werke des Herrn Professor Frei „Die Lepidopteren der Schweiz“ entnehme ich nachstehende Uebersicht der Schweizer Falter:

Papiliones 171. Spezies

Sphinges 61 A Bombyces 170

Noctuae 439

Geometrae 375

Pyraliden-Crambiden 191

Tortrices 334

Tincae 727

Pterophorinae 35

Alucitae 5

2508 Species ohne ben. Varietäten

2829 mit Varietäten.

Ohne dem Autor dieses genannten Werkes zu nahe zu treten, bekenne ich, dass die Zahl zu niedrig gegriffen- ist, und dass sie seit Erscheinen des Werkes (1880) wohl auf mindestens 2560 Spezies ohne b.; Varietäten berechnet:

werden muss. (Schluss folgt.)

Ueber den Nachtfang von Raupen. Von A. Harrach,

(Mit Benutzung der Literatur von ‚„‚Borgmann, Anleitung zum Fange' von Schmetterlingen‘“ und Dr. A, Pagenstecher, ‚Der nächtliche Fang von Schmetterlingen‘.)

Der Raupennachtfang unter Anwendung einer Laterne wird leider erst sehr wenig betrieben, obgleich derselbe sowohl der Zahl als auch der Verschiedenheit der Raupen nach sehr ergiebig ist. Viele der letzteren Verlassen nach eingetretener Dunkelheit ihre am Tage behaupteten Schlupfwinkel, um ihrer Nahrung nachzu- gehen. Das Frühjahr und der Herbst ist die beste Zeit, um auf die nächtliche Raupenjagd auszugehen.

Da bei dem fortdauernden Bücken während des Suchens an niederen Pflanzen der Rücken sehr in Mit- leidenschaft gezogen wird, so führt man diese Arbeit am besten auf den Knien liegend aus. Man lässt sich deshalb entsprechend grosse Kniepolster mit kleinen Riemen verfertigen, vermittelst welcher. die letzieren um die ersteren festgeschnallt werden. Auf diesen Polstern kann man selbst in feuchtem Grase, ohne der Gesundheit zu schaden, herumrutschen.

Der nächtliche Raupenfang, an und für sich äusserst aufregend, spannend und lohnend, muss fleissig betrieben werden; denn man findet auf diese Weise manche

Raupe, welche sonst in keiner andern überhaupt zu erlangen ist.

Ausgiebige Fundplätze für nächtlich lebende Ritpen sind :Schlehenbüsche und Berberitzensträucher, Him- beeren, Heidelbeeren, Geisblatt, Schlüsselblumen, Veil- chen, Nesseln, Taubnesseln u. a.

Nur wenige Raupen sind monophag; die grösste Anzahl lebt polyphag. Bei dem Suchen muss man mit der Laterne allerorts binleuchten, um die Raupen zu finden. Bei dem Wegnehmen der aufgefundenen Stücke von den Futterpflanzen hat man sehr vorsichtig zuwerke zu gehen, denn die meisten Nachtraupen lassen sich bei der geringsten Berührung der Futterpflanze sofort fallen und sind dann in den wenigstens Fällen wieder aufzufinden. Da man sich ohnehin sehr hüten muss, die erbeuteten Raupen durch starkes Anfassen zu drücken, so thut man gut, einen Käscher unter die entdeckten Stücke zu halten, welche durch ein leichtes Berühren mit dem Finger zum Fallen gebracht werden; noch besser thut man, die Raupe auf gleiche Weise in die Sammelschachtel zu bringen. Wenn es gilt, grössere Flächen nach Nachtraupen zu durchsuchen, so kann man sich mit Nutzen eines etwas weiten Käschers bedienen, mit welchem man durch vorsichtiges Hin- und Herziehen die niederen Pflanzen abstreift. Dass die Nachtsuche durch Mitnahme eines Gehülfen sehr erleichtert wird, ist ohne weitere Auseinandersetzung klar.

Sehr lohnend ist es, die jungen Blätter der Schlehen (Prunus spinosa, L) nach ihrer Blüthezeit Ende Mai und Anfang Juni,’ des Nachts mit einer Laterne abzusuchen. Man trifft daran namentlich zahlreiche grosse und auch einige kleinere nächtlich lebende Spannerraupen.

Der Nachtfang wird auch den Sommer über fort- gesetzt, denn fast jeder Monat bringt neue Raupenarten. Viele derselben halten sich während des Tags unter dem Baummos und den Lychenen wohl auch unter den Baumwurzeln versteckt und steigen erst nachts auf die Aeste, um sich das Laub wohlschmecken zu lassen. Bei Tage sucht man sich deshalb solche Bäume aus, welche stark mit Flechten (Lychenes) bewachsen sind. Ihre Aeste werden dann bei vollständig eingebrochener Dunkelheit mittelst einer Keule oder eines Krückenstocks kräftig erschüttert, wodurch die Raupen auf das unten ausgelegte Sammeltuch fallen und hier sorgsam abge- lesen und in die Sammelbehälter vertheilt_ werden.

Herr Oberförster Borgmann hat offenbar die Nacht- suche fleissig betrieben. Seinen Erfahrungen gemäss, denen ich hier hauptsächlich folge, seien hier einige speziellere Fingerzeige zum Aufsuchen nächtlich ‚eanllas Raupen gegeben:

Leue. impura findet sich im Monat April und Mai an jungem Schilfrohr (Arundo), in dessen Rohrstoppeln sie am Tage sich versteckt hält. führt Leue.' straminea. - Der Todtenkopf (Acherontia atropos) ist im Juli nicht selten auf Kartoffelpflanzen zu finden, wo er sich leicht durch starken Frass bemerkbar macht. Die Raupe lässt sich auch mit Jasmin, Geisblatt, Stechapfel, Hanf, Liguster, Maulbeeren, Birnbaumlaub, Spindelbaum, Erdbeeren u. a. erziehen. An der Ackerwinde (Cou-

Dieselbe Lebensweise

volvulus arvensis, L) ist mitternächtlich im Monat Juli gar nicht selten die stattliche Raupe vom Winden- schwärmer (Sphinx convolvuli) zu treffen. Die Spätlinge überwintern als Puppe und gelangen erst im Mai des folgenden Jahres zur Entwicklung.

Der Weinvogel (Deilephila porcellus, L) liegt tags- über in der Nähe des gem. Labkrauts (Galium mollugo, L) versteckt; im Juni ist die Raupe mit der Laterne oft in beträchtlicher Anzahl auf dieser Futterpflanze zu finden. Auch am echten Labkraut (Galium verum, L)

kommt sie hin und wieder vor. ' (Fortsetzung folgt.)

Rhizotrogus solstitialis L.

Ein Beitrag von Fritz Rühl.

Unsres Käfers, soweit er der europäischen Fauna angehört, Aeusseres ist wohl zu bekannt, um es schildern zu müssen, jedenfalls auch der Umstand, dass derselbe je nördlicher sein Vorkommen wird, sich auch um so wärmer kleidet, Stücke aus Portugal und namentlich aus Algarbien, wo er verheerend auftritt, tragen nur mikroskopische Behaarung, die in Frankreich dichter und in Deutschland zu einem kleinen sogenannten Zottelpelz wird. Wer diese Thatsache nicht kennt, kann versucht sein zwei ihm vorgelegte Thiere von so verschiedenem Aeussern für 2 Spezies zu halten. Meist ohne Behaarung, ganz glatt und nackt zeigen sich die aus Nordafrika kommenden Thiere, aus Constantine bekam ich ganz einfarbige Exemplare, sowohl roth- als gelbbraun, auch schwarzbraun. Wie unser Thier namentlich das Männchen durch sein Umherschweifen und mehr noch durch die Bemühungen, Weibchen zu finden, sein zartes Pelzröckchen ruinirt, ist sattsam bekannt, am Morgen bei der Auferstehung in den schützenden Schleier der keuschen Jungfrau gehüllt, am späten Abend ein übermüthiger Bursche, der sich seiner Umhüllung schämt und dieselbe ohne Gewissens- bisse abstreift. Die Zahl der Männchen im Verhältniss zu den Weibchen ist eine unverhältnissmässig grosse, daher die letzteren, weil nicht zum Flug geneigt, schwer auffindbar, gewöhnlich hängen an einem Weibchen in förmliche Klumpen geballt, mehrere Männchen, die dem ihrer Collegen, welcher den Minnesold wirklich zu geniessen das Glück hat, den Genuss wohl sauer genug machen. Bis vor wenigen Jahren war mir die Larve noch unbekannt. Durch Erdarbeiter, welche noch im Herbst ein mit Wintersaat bestelltes Feld umgruben, welches zu einer Strassenanlage und zum Häuserbau verwendet werden sollte, erhielt ich unter verschiedenen bekannten Larven eine ziemliche Anzahl von solchen, die (den Habitus der Melolontha-Larven trugen und 21, em lang waren. Behufs ihrer Beobachtung und Aufzucht acquirirte ich vom gleichen Feld Bodenstücke mit Samen und verpflanzte dieselben in meinen Garten; durch ein Geflecht von Messingdraht, welches tief in den Boden hineinragte, brachte ich dessen Isolirung von der Umgebung zuwege. 112 Larven ungerechnet die vielleicht in dem hierher versetzten Erdreich befindlichen

| Exemplare bildeten die Besatzung der kleinen Veste.

Bei dem frühzeitig eintretenden Frost und Schnee konnte ich nur das augenscheinliche Kränkeln der Frucht konstatiren. Im Februar beim Schmelzen der Schneedecke war die Saat abgestanden, die Zahl der Larven auf 82 Stück reduzirt, mehrere halb verfaulte, an den letzten Ringeln angefressene Larven lassen mich vermuthen, dass diese vielleicht aus Futtermangel der Gefrässigkeit ihrer eigenen Gattungsgenossen zum Opfer fielen. Die beinweisse Farbe der Thiere war einem schmutzig braunen Aussehen gewichen, um °, cm waren sie gewachsen, und sahen den Larven von Melolontha vulgaris äusserst ähnlich. Bei dem Miss- trauen, welches die ODekonomen fast insgesammt kenn- zeichnet, hielt es schwer, einige Fuss Roggensaat im Felde eines solchen unter lästigen Bedingungen zu erwerben, um die Zucht zu Ende zu führen. Abermals durch Messinggeflecht abgeschlossen von der Umgebung, dann zur Beruhigung des Feldbesitzers überflüssiger- weise auch oben geschlossen, fand die Gesellschaft Plaeirung. Ende April war bereits auch die kleine Fläche abgestanden, unter der die Larven lebten, der Gedanke einer abermaligen wirklich unangenehmen Transferirung lag nahe, beim Aufdecken der Fläche am 16. Mai fand ich jedoch eine vollständig eben zum Abschluss gelangte Puppe, was mich veranlasste, ohne weitere Schritte zu thun, die Entwicklung abzuwarten, nachdem die Hauptsache für mich, zu erfahren, wer die nicht zu unterschätzenden Feinde der jungen Saat, sicher stand. In den ersten Junitagen zeigten sich in der Einfriedigung die ersten Käfer, es waren Rhizotrogus solstitialis. Ich muss hier bekennen, dass ich etwas enttäuscht war, nachdem ich mir dessen Larve bedeutend grösser vorgestellt hatte, zumal dessen Metamorphose eine mindestens zweijährige, anderen Berichten zufolge eine dreijährige sein soll. Die von mir gesammelten Larven hatten also, ich will es dahin gestellt sein lassen, ob schon 1 oder 2 mal überwintert; wem nicht ein eigenes Stückchen Land zur beliebigen Verfügung steht, dem will ich nur frenndlich abrathen, derartige Versuche zu machen.

Ueber geeignete Raupenzwinger.

Von H. Gleissner, Berlin,

Schon mehrere Male ist in unserem Corresp.-Blatte angefragt worden, wo man gute, praktisch eingerichtete Raupenzwinger, besonders für das Zimmer geeignet, beziehen könne. Ich glaube, die Angabe einer solchen Bezugsquelle wird lange auf sich warten lassen; wenn sie aber erfolgt und wenn der geehrte Fragesteller Raupenzwinger unter erheblichen Kosten und Mühen endlich in Händen hat: so wäre es immer noch fraglich, ob er nur annähernd befriedigt ist. Mir will es daher scheinen, als ob sich diese Frage am nutzbringendsten dadurch erledigen lässt, wenn in unserem Vereinsorgan Einrichtungen von Raupenkästen zur Besprechung gelangen, und dass sich derjenige, welchem die Beschreibung praktisch erscheint, bei seinem Ortstischler oder Stellmacher oder bei sich selbst zunächst einen solchen Probekasten herstellen lässt. Nachher bleibt es

Jedem unbenommen, sich mehr herstellen zu lassen und Verbesserungen anzubringen.

Im Nachstehenden will ich versuchen, eine Beschreibung von Raupenzwingern zu geben, wie ich sie besitze und schon seit Jahren mit gutem Erfolge benutze. Findet einer oder der andere geehrte Leser, dass dies und das noch besser und praktischer eingerichtet werden könnte, so wird uns Allen damit gedient sein, wenn diese Verbesserungs- vorschläge als Ergänzung meiner Arbeit in einer der nächsten Nrn. dieses Blattes erscheinen. Nur dann, wenn jedes Mit- glied nach Bienenart bestrebt ist, etwas für das Allgemeine zu thun und zu geben, kann etwas Ganzes, Gutes, Gemeinnütziges, wahrhaft Heilbringendes für die Zwecke unserer Vereinigung geschaffen werden, und dazu möchte ich durch diese kleine Arbeit, die nur eine rein praktische Basis hat, gleichzeitig anregen.

Ehe ich zur speciellen Beschreibung eines Raupenzwingers übergehe, möchte ich bemerken, dass ich im Allgemeinen zu besonders voluminösen Kästen nicht rathen kann. Sie nehmen viel Raum fort, transportiren sich wenigstens, wenn Erde eingeschüttet ist schlecht und erschweren den Raupen das Auffinden und dem Züchter das Frisch- halten des Futters bedeutend.

Eher kann ich- zu schmalen, aber hohen Kästen rathen, ja halte dieselben sogar wenigstens einige für durch- aus nothwendig, besonders bei Thieren, die Baum- und Strauchzweige zum Klettern, Anheften und zur Nahrung bedürfen (Catocalen, Lasiocampen etc ) oder die gern langes Gras (Segge und Schilf) fressen. (Potatoria, albovenosa, festucae etc.). Die Höhe wird ferner auch noch dadurch bedingt, dass durch die Einrichtung, welche ich hier bei den kleineren Kästen folgen lasse, Raum nach obenhin für „Futterzwecke“ verloren geht.

Am meisten benutze ich kleinere, niedere cubische Kästen, deren Kanten 23 60 cm lang sind. Will man hohe Kästen haben, so denke man sich 2 solcher cubischen aufeinandergesetzten Kästen vereinigt. Der Deckel, welcher durch starke, recht feste Charniere an der Hinterwand be- festigt ist, darf beim Schliessen des Kastens nicht „einfalzen“, sondern er klappt platt auf den 2—3 cm breiten, glatt gehobelten Kastenrand. Damit dieser Deckel fest aufliegt, werden an ihm 2 Oesen eingeschraubt, in welche 2 senkrecht darunter befestigte Haken seitwärts stramm eingreifen. Durch diese Einrichtung wird bei nur einiger Aufmerksamkeit des Züchters das höchst ärgerliche Todtklemmen der Raupen, wie es bei Falzdeckeln leicht vorkommt, vollständig ver- mieden, auch ist dem Tagschmetterling Raum zur Verpuppung und anderen Raupen Gelegenheit zum Versteck, zum Aus- ruhen, resp. zur ungestörten Häutung geboten.

Drei bis vier Finger vom Boden der Kiste entfernt befinden sich in den vier Ecken, und zwar in gleicher Höhe, vier Klötzchen, auf welchen ein Futterbrett liegt. Dasselbe ist aber nur so gross, dass an zwei oder an allen vier Seiten für das Durchschlüpfen der Raupen Platz bleibt. Dieses leicht heraushebbare Brettchen ist von ganz besonderer Wichtigkeit, da es zwei gesonderte aber in Kommunikation stehende Räume schafft. Jedes Thier das fressende, ruhende, häutende, sich verpuppende oder bereits verpuppte findet seine ihm zusagende Etage. Das Beseitigen der Exkremente vom Brettchen ist leicht zu bewerkstelligen,

und da durch dasselbe der untere Erdraum von fäulniss- und pilzbildenden Stoffen gänzlich rein gehalten werden kann, so ist die Hauptbedingung erfolgreicher Zucht: „Herstellung reiner Luft“ ebenso erfüllt, als die: „Geeigneter Raum für ungestörtes Fressen, Ruhen, Häuten, Verpuppen.*

Das „Durchlöchern* des Futterbrettes wie ich es früher that muss ich aus naheliegenden Gründen ver- werfen. Was nun das Anbringen der Gaze betrifft, so benutze ich dunkelblaue (angenehme Lichtabdämpfung!) engmaschige Drahtgaze (nicht Zeug-Gaze, welche von ge- wissen Raupen durchfressen und bei etwaigem Wassersprengen weich und schlottrig, auch wohl übelriechend wird) wie sie die Tischler zu sogenannten Fliegen- oder Küchenspinden nehmen; und zwar lasse ich nur 2 anstossende Kasten- wände damit ausschlagen, doch so, dass von ‚aussen die Luft auch in den unteren Raum des Kastens noch durch ein Gazestreifchen (zwischen Futterbrett und unterem Holz- gestell des Kastens) dringen kann. Die beiden anderen anstossenden Kästenwände sind aus Brettern.

Neuerdings habe ich besonders in den hohen Kästen noch eine weitere Einrichtung, bestehend in einem ein- schiebbaren, mit Blech ausgeschlagenen Kasten, angebracht. Dieser Kasten, welcher das Herausnehmen von durchge- fallenen Futterresten, todten Raupen, Puppen etc. leicht ermöglicht, muss sehr gut einpassen, da sonst eine Anzahl Raupen entwischt und die sonst praktische Einrichtung illusorisch und zu einer Quelle grosser Unannehmlichkeiten werden kann. Da diese Kästen aber leicht „verquillen‘ oder sich beim Transportiren von einer Stelle zur anderen lockern, ausserdem das Arbeitslohn an den Tischler ver- theuern und somit den ganzen Kasten, so benutze ich aus allen diesen Gründen diese letzte Art Raupenzwinger nur selten. Schliesst der untere Kasten nicht mehr, so ver- stopfe man die Ritzen mit Watte.

Im Grossen und Ganzen möchte ich aber daran erinnern, dass man nun nicht alles Heil von den zweckmässig ein- gerichteten Kästen erwarten möge. Ist die Zimmerluft schlecht (Tabaksqualm, mangelhafte Ventilation etc.), das Futter und die Fütterung selbst ungeignet (zu sehr gewässertes, geiles oder zu trocknes, staubiges Futter), die Reinlichkeit im Kasten mangelhaft, oder wird die Raupe und die Puppe zu oft gestört (wie es heissblütige, sehr passionirte Anfangs- sammler thun), verspritzt, oder zu trocken gehalten: dann thuts schliesslich auch der beste Raupenzwinger nicht. Darum: „Das Eine thun und das Andere nicht lassen!“ Dies Wort wird auch hier gelten.

Die hexapeden Insekten Grossbritanniens aus der Steinkohlen-Epoche.

Nach Scudder sind von Resten fossiler hexapoder In- sekten in den -Steinkohlen - Schichten nur wenige. aufge- funden; die in England gefundenen reduziren sich auf 7 Arten, unter denen zwei neue sind. Die fünf länger be- kannten sind eine Koleoptere, Cureulioides Austicii (Buck- land), aus der Giebel die Gattung Hevila machte; die zweite von Buckland bezeichnete Art gehörte den Arachniden an. Dazu kamen dann die von Kirkby als Blatta, von Goldenverg als Blattidium mantidioides und eine nicht

näher bestimmte, den Phasmiden angehörende Orthoptere, endlich zwei Neuropteren. Die jetzt von Scudder als neu beschriebenen Arten gehören ebenfalls zu den Neuropteren. Die erstere, welche Scudder als Archaeoptilus ingens be- zeichnet, ist in einem in der Nähe von Chesterfield in der Grafschaft Derby gefundenen Flügeltheile erhalten; es ist dieses Fragment der grösste Insektenflügel, welchen man aus den palaiozoischen Schichten hat, den bei Saarbrücken gefundenen Acridites formosus (Goldenberg) und Megathen- tomum pustulatum (Scudder) aus Illinois nicht ausgenommen. Nach der Richtung der Nerven, ihrer Stärke und Entfernung von einander zu schliessen, muss dieses Insekt mindestens 25 bis 35 Zentimeter Spannweite gehabt haben; alle Haupt- nerven haben eine Dicke von einem Millimeter und mehr. Die zweite neue, in Tipton, Grafschaft Stafford, gefundene Art nennt Scudder Brodia priscotincta; auch von ihr ist fast ein ganzer Flügel erhalten, der denen unserer grossen Libellen (Oeschna) ähnlich ist und seine ursprüngliche Färbung in bemerkenswerter Weise erhalten hat; man kann deutlich drei dunklere Transversal-Streifen erkennen, wie sie anolog auf den Flügeln gewisser heute lebender Arten vorkommen. Bemerkenswerth ist, dass alle bisher in Eng- land gefundenen Neuropteren der Steinkohlen-Formation einem einzigen Typus angehören, der heute weder in Europa, noch in Amerika lebende Repräsentanten besitzt; ander- seits fehlen die Insekten, welche anderswo in der Steinkohle vorberrschen; so die Dietyoneuren, Termiten u. s. w. in England. Es liegt da eine merkwürdige Ausnahme in der Einheitlichkeit vor, welche sonst die geographische Ver- theilung der Insekten in den. Steinkohlen-Schichten zeigt; diese Ausnahme erstreckt sich, wie Woodward gezeigt hat, jedoch weder auf die Myriapoden, noch auf die Arachniden, welche in Fülle unter den Fossilien dieser Epoche der Erd-Entwickelung in Grossbritannien vertreten sind, (Revue seientifigue. 1884, Nr, 9. pag. 281.)

Wink für angehende Dipterologen.

In No. 10 des Correspondenzblattes hatte ein Mitglied angefragt, welches Werk sich wohl am besten zum Be- stimmen der Hymenopteren, Dipteren, Hemipteren etc. eigne.

Die ihm in der folgenden Nummer ertheilte Auskunft hat ihm möglicherweise, wenn er nicht etwa der glücklich situirten Minderheit angehört, die Lust benommen, sich jenen Insektenordnungen zuzuwenden. }

Fünfhundert Mark zur Anschaffung von Werken für je eine dieser Ordnungen zu verausgaben, sind wohl nur wenige Glückliche in der Lage, und die Ausdauer, die das richtige Bestimmen der Arten selbst mit Hilfe dieser Bücher für den Anfänger erfordert, ist auch nicht Jeder- manns Sache.

Der Verfasser dieses glaubt sich deshalb den Dank aller derer zu verdienen, welche beabsichtigen in der kommenden Saison eine oder alle der genannten Insekten- ordnungen zum ersten Male zu sammeln, wenn er hier er- zählt, wie er es angefangen hat, um, ohne Millionär zu sein, die Kenntniss der hauptsächliehsten Vertreter aller Arten zu erlangen.

Einzig und allein mit dem Taschenberg’schen Compen-

dium ausgerüstet, aber von dem grössten Eifer beseelt, be- gann ich vor drei Jahren die sämmtlichen oben genannten Ordnurgen zu sammeln. Als ich von jeder derselben ca. 100 Vertreter erlangt und bestens präparirt hatte, hielt ich es an der Zeit, die Bestimmung derselben nach dem ge- nannten Werk vorzunehmen.

Ich will hier nicht beschreiben, in welche Stimmung ich bei diesen Versuchen gerieth; näch vier Wochen der jämmerlichsten Qual und angestrengtesten Arbeit war ich glücklich so konfuse, dass ich mir nicht getraute, die von mir erfolete Determination der gewöhnlichen Stuben- fliege als unbedingt richtig hinzustellen.

In dieser Noth lernte ich Herrn Professor Fischer aus Berlin bier kennen.

Ihn bat ich, sich meiner zu erbarmen und mir an einem freien Nachmittage die Namen der in meinem Besitz befindlichen Arten in die Feder zu dictiren.

Bei Erinnerung an diese Bitte lache ich heut ebenso stark, als es der Herr Professor damals ob dieser. meiner Naivetät that,

„Schicken Sie mir nur die Sachen nach Berlin und ehe der Winter vorbei, sollen Sie befriedigt sein!* war die in liebenswürdigster Weise ertheilte Antwort.

Nun, ich nahm selbstredend sehr gern dieses Aner- bieten an und durch späteres Vergleichen der nun be- stimmten Arten mit den Charakteristiken der Bücher brachte ich es nach einigen Jahren des eifrigsten Studiums soweit, dass ich nunmehr wenigstens die am häufigsten vorkom- menden Vertreter selbst zu bestimmen vermag.

Allerdings habe ich im Laufe dieser Zeit so manche Krone den Buchhändlern zutragen müssen und der Schaden, den uns Mücken, Fliegen und Wanzen zufügen, steht wohl in keinem Verhältniss za den Summen, die wir ausgeben, um nothdürftig die Namen dieser kleinen Bösewichte kennen zu lernen.

Wer also mit dem Sammeln dieser Ordnungen beginnen will, mache es nur so wie ich,

Lustig den Sommer über gefangen und präparirt und im Herbste die Ausbeute einem Fachmanne zur Bestim- Wer ohne Vorkenntnisse und auf Grund der meist dickleibigen Werke das Determiniren selbst vor- nehmen will, wird sehr bald die Lust für die ganze Sache verlieren.

mung zugesandt

Zum Schluss möchte ich dem Anfänger noch rathen, sich zuerst nur mit einer Ordnung zu befassen, denn Es giebt der Dinge viel im Himmel und auf Erden,

Viel mehr sogar als Deine ‚Weisheit fasst, -

Und glaube mir, ich kann es zu Dir schwören,

Dass dies besonders auf „Insekten“ passt. i H. Redlich.

Vereins-Angelegenheiten.

a an

Anmeldungen. Zur Aufnahme in den Verein haben sich angemeldet die Herren: 251. H. Meyer, Schriftsetzer und Maschinenineister, Saalfeld a. d. Saale. |

52, Th. Busch, Lehrer, Süchteln.

253. Josef Müller, Nadlermeister, litergasse 2.

254. C. A. Siemssen, Kaufinann, Lübeck.

255. L. Knochelmann, Linden vor Hannover, Fal- kenstr 63.

256. Fr. Moser jun., Pforzheim, Dillsteinerstr.

257 Carl Winter jun., Pforzheim, Dillsteinerstr. 19.

258. G. Eiffinger, KEisenbahn- Secretair, Frankfurt a/Main-Sachsenhausen.

259. Herrmann Littke, Breslau, Klosterstr. 56.

260. Bieger, Lehrer, Langendorf bei Rehmsdorf.

261. Fritz Andre, Haardt bei Neustadt a. d. Haardt.

262. Honrath, Lehrer, Linge bei Marienheide, Bez. Cöln a/kh.

263. E. Wagner, Nizza, Rue Adelaide 19.

264. Gustav Herwig, Rentier, Aschersleben.

265. Otto Schwarz, Lehrer, Berlin S.W., Alte Jacob- strasse 108.

Wien, Karme-

'266. Alfred En gel,Lehrer, Berlin, Neuenburgerstr. 17a.

267. Paul Wettengel, Lehrer, Berlin, Krautsstr. 25.

268. Berthold Wehnelt, Lehrer, Berlin, Köpnicker- strasse 115.

269. Otto Habich, Hernals bei Wien, Stiftgasse 64.

270. Josef Steinbrecher, Grossindustrieller, Mähr. Trübau.

Todes -Anzeige.

Der unterzeichnete Vorstand erfüllt hiermit & ; die traurige Pflicht, die Mitglieder des Intern. & 5 Ent.-Vereins von dem am 19. März er. erfolgten E © Hinscheiden unseres Mitgliedes, des Herrn =

&. Liebo

u in Kenntniss zu setzen. Bei der unerwarteten W4 3 und etwas verspätet eingetroffenen Todesnachricht & 4 war es leider nieht möglich, dem Verstorbenen &

durch Zugegensein einiger Mitglieder bei dem #%

Begräbniss die letzte Ehre zu erweisen. Die i ; Theilnahme Seitens des Vereins ist jedoch durch & © Niederlegüung eines Kranzes bezeugt worden. ®

Der Vorstand ; des Internationalen Entomologen-Vereins.

Quittung über bis zum 25. März gezahlte Beiträge pro 1885.

2, 6, 11, 24, 25, 32, 42, 46, 47, 48, 50, 70, 80, 98, 99, 100, 103, 106, 111, 116, 121, 126, 135, 136, 144, 149, 150, 151, 154, 158, 162, 171, 174, 176, 181, 186, 188, 189, 192, 194, 195, 197, 200, 203, 205, 212, 215, 217, 223, 225, 228, 230, 231, 239, 244, 245, 247, 248, 249, 250, 264.

Es ist eine ebenso unerfreuliche wie leider fast all- täglich vorkommende Thatsache, dass ein grosser Theil solcher Geschäfte, welche durch Angebot und Nachfrage bedingt, zwischen räumlich geschiedenen Personen sich ab- wickeln, durch Schwindler und gewissenlose Menschen zum Nachtheil der einen Partei ausschlagen.

Im Vertrauen auf die Unbekanntschaft mit ihren Ver- hältnissen versuchen solche Leute es, durch Renommistereien und dreiste Aufgabe guter Referenzen theils Waare ohne Bezahlung zu erschwindeln, theils schlechte unbrauchbare Gegenstände gegen Vorausbezahlung abzusetzen. In allen Zweigen des Geschäftslebens hat man sich deshalb schon bemüht, durch Einrichtung von Auskunftbüreaus diesem Uebelstande zu steuern.

Als besonders ergiebiges Feld hat sich für derartige Raubritter von jeher das Gebiet des Sammelwesens gezeigt.

Zu Nutz und Frommen der Mitglieder des Vereins soll deshalb eine den Auskunftbüreaus ähnliche Einrichtung ins Leben gerufen werden, Es soll die Anlegung einer „Schwarzen Liste“ stattfinden, deren Ausfüllung auf Grund der in Mitgliederkreisen gemachten Erfahrungen so- wie auf Grund der seitens des Vorstandes eingeholten Er- kundigungen erfolgen wird. Die „Ritter“ dieser Liste sollen in zwei Klassen geschieden werden,

A. notorische Schwindler,

B. solche Personen, mit welchen nur gegen Vorausbe- zahlung resp. gegen Probesendung Geschäfte zu machen sind.

Die Liste wird von dem Verstande geführt, welcher Sorge tragen wird, dass alle darin gemachten Eintragungen den thatsächlichen Verhältnissen entsprechen und möglichst reichhaltiges Material zugeführt wird.

Es ergeht nun an alle Mitglieder das Ersuchen, recht bald die auf dem entomologischen Markte gemachten trau- rigen Erfahrungen dem Vorstande mitzutheilen.

Die desfallsigen Angaben dürfen ganz kurz gehalten sein und nur die eigentliche Thatsache erwähnen, z. B.

An NN in B, im Jahre 1885 Insekten im Werthe von 30 M. geliefert, Zahlung nicht Zahlung erst durch gerichtliche Klage erhalten können. Unterschrift. Oder

Von A. in B. im Jahre 1835 gegen Vorausbezahlung minderwerthige Insekten bezogen, Entschädigung nicht möglich. Unterschrift,

Die Mitglieder sind berechtigt, entweder Abschrift der ganzen „Schwarzen Liste* oder Auskunft über gewisse Per- sonen, mit welchen sie in Geschäftsverbindung zu treten beabsichtigen, zu beanspruchen,

Zur Deckung des Portos ist jeder Anfrage eine Zehn- pfennigmarke beizufügen.

Die Interessenten sind verpflichtet, dieerfolgte Mittheilung als diskret zu behandeln und wird gleiches für die hierher gemachten Angaben zuge- sichert.

Feuilleton.

Frühlings-Geknittel

für die internationalen Vereinler.

Werthe Herren vom Vereine! Wenn man jetzt im Sonnenscheine Mit der Brille auf der Nase Suchend späht im mag’ren Grase Und man ist kein Kind des Glücks, Find’ man merschdendeels noch nix. Denn es ist im deutschen Norden Frühling noch nicht ganz geworden, Zwischen Neesenbach und Spree Liegt wohl noch manch’ Häuflein Schnee. Und ohn’ eingenomm’nen Grog Oder dicken Winterrock Langsam, wie gewohnt, zu gehn Ist noch nicht ganz angenehm. Einzig, wenn Du kennest Plätzchen Wo schon blühn der Weiden Kätzchen Mache dort zur Abendstunde Bei Laternenschein die Runde! Siehst Du aber, frech vermessen, In dem Sonnenschein Vanessen: Lass’ sie fliegen, nicht vergiss Ueberjährig sind sie g’wils.

Aber nicht mehr lang wird’s dauern: Nach den Aequinoctien-Schauern

Kündet uns der Wettermesser:

„Nur Geduld, denn bald wird’s besser!“ Und er sprach die laut’re Wahrheit,

Bald umfängt uns Himmels-Klarheit,

In den Tiefen, auf den Höh’n

Kannst Du’s lustig sprossen seh’n;

Und in Wald und Feld und Flur

Neu verjüngt sich die Natur!

Fröhlich summt in Berg und Thal

Der Insekten grosse Zahl,

Warme Winde wärmer wehn

Und der Mondschein scheint schon schön! Aus den trägen Winterpuppen

Krabbelt still vergnügt der Schuppen- Flügler buntes, leichtbeschwingtes Heer. Na! das freut uns Alle sehr! Wärmer wird die Wärme später, Alle Knospen werden röther,

Bis der holde Mai erscheint

Alt und Jung in Lust vereint!

Bleibt nicht im Haus! Alle heraus! Alle herbei! Grüsst mir den Mai!

Schmücket den Hut mit grünenden Zweigen, Schlinget auf duftendem Rasen den Reigen,

Freut Euch der Mutter! Wohin Ihr auch schaut Strahlt sie, die Erde, im Schmucke der Braut! Wem Natur Gesang gegeben,

Wenn auch nur „anhörbar*“ eben,

Der leg’ los aus voller Kehle:

Juble, frohe Menschenseele,

In der Schöpfung ‚Schönheit ein

Kommen „Damen“ lass es sein.

So begrüsset den Mai der gewöhnliche Bummler auf Erden, Kennet nicht weitere Sorg’ und keine erschwerende Aufgab’, Dämmert hinein in den Wald und stolpert auch wieder nach Hause Und bringt gar nichts nicht mit, als etwas Ozon in den Lungen. Anders der Entomolog! Bei ihm häufen sich Freuden, Tausendfach sieht er „sie“ fliegen, zu Haus schon mit geistigem Auge. Manche dabei, die noch nicht oder „nicht rein“ er nur hat Und es treibt ihn hinaus! Sei’s aus der schaurigen Schulstub’, Oder vom Aktenfascikel, der meuchtelig nun riecht und widrig, Von des Hauptbuchs dummem, eintönigem Zahlengewirre, Auch aus der Werkstatt gewohnten, jetzt übelduftenden Räumen. Alle möchten sie los von des Lebens Tretrad gespannt sein. Und es zwickt sie und juckt, bis sie es möglich gemacht! Aber halt! mein Verehrter! hast Du auch sorglichen Sinnes Wohl überlegt und bedacht, ob denn noch Alles in Ordnung? Ob nichts verloren, kaput, in Verstoss ist gerathen? Ob das Netz noch ist ganz und der richtige Stock noch „vorhanden? . Ob nicht die Schachteln im Winter zum Spielzeug der Kinder geworden? Trafst Du auch weisliche Vorsorg’, Juppen Dir bauen zu . lassen, Etwa aus Jäger’schem Tricot, wenn auch sonst nicht „normal“? Aber mit Taschen!!! Vorne und hinten und links, Rechts und oben und unten, allenthalben und noch An einigen anderen Orten müssen sie sein, diese. Taschen, Ja, das ganze Habit soll eigentlich Tasche nur sein. Bist Du im hohen Besitz solches vieledelen Kleidrocks, Nun, so ziehe ihn an, ein Paar kräftige Stiefel sodann auch (Von den Hosen ist ‘ja nicht Brauch, in guter Gesellschaft zu reden); Endlich ’nen breitrand’gen Hut, wie ihn Fürst Bismarck zu tragen Pfiegt, wenn in Varzin er sich ruht-nach redlich voll- - brachtem Berufe.

Und dann pack’ ein:

Erstens: Netz mit Stöcken und mit Zwinge Dass das Fangen Dir gelinge. Zweitens: Mit je sechs Schachteln vier Patronen, Dass die „Micro’s“ sie bewohnen. Drittens; Torfbekleidet zwei Blechkasten, Dass die Gröss’ren darin rasten, Viertens: Einen guten Eulenstecher, Fünftens: Einen led’rnen Wasser(?)-Becher. Sechtens: Mit acht Pfund Blei ’nen Raupenklöpfer.

Siebentens: Einen starken Raupenschöpfer.

Achtens: Schachteln, zwei, zum Raupensammeln Musst’ auch in die Taschen rammeln. Neuntens: Gutbesetztes Nadelkissen. Zehntens: Aetherfläschcehen, das nicht kann fliessen. Elftens: Eine (nicht zu kleine) Cognacpulle. Zwölftens: Eine grosse Butterstulle. Nimm’ dann noch den Schirm zur Hand, Prüf’ das Wetter mit Verstand. Und wenn alles dies geschehn, Na, so kann et los ja jehn! Gehörst Du zu den Ehegatten, Geh’ nicht schweigsam durch die Latten, Sondern nimm, wie sich’s gebührt, Abschied von der Frau gerührt. j Aber nun habe Acht! Kaum erblickt Dich die Holde, Leuchtet es über ihr Antlitz, halb betroffen, halb lächelnd, Sieht sie!Dich an und mustert Dich prüfend von vor- und von rückwärts. Und erhebet den Mund zu folgendem, würdigen Ausspruch: „Nein, so kannst Du nicht gehn, „Pitt Dich, wenn Meyer’s Dich sehn, „Mach’ mir doch nicht den Verdruss, „Du siehst ja aus wie’'n Hippopotamus!“ Bist Du nun ein kluger Ehmann, Ei, so ficht Dich dieses nicht an, - Lächle hold, küss’ sie und sprich: „Kind, hör’, das verstehst Du nich!“ Und nun hinaus in das grüne Revier, In das Feld, an den Wald und auf Wiesen, Allüberall schwirrt ja summend Gethier, Zur Freud’ und zur Lust Dir erkiesen. Wie das Aug sich auch wendet, wo derBlickauch gelenkt, Da find’st Du an jeglichem Dinge Stets etwas, was Dir das Herze erfreut, Sein’s Käfer, sein’s Schmetterlinge. Doch bitt’ ich Dich, blick auch mal in die Höh’ Und schau’ in die herrliche Runde Und erfasse der Schöpfung hellleuchtendes All, Geniess’ sie, die weih’volle Stunde!

Hast Du dieses recht vollbracht, Gebe wieder sorglich Acht,

Dass nur ja nichts, was da fliegt, Was da sitzt und was da kriecht, Meuchlings Dir entgehen kann, Strenge Deine Augen an:

In den Wiesen, auf den Auen Kann man fliegend sie erschauen, An den Zäunen, in den Hecken Pflegen sie sich zu verstecken.

An den Mauern, an den Bäumen Sitzen sie am Tag’ und träumen: Dicke, faule Noctuiden

Sitzen da in stillem Frieden; Dünnen Leib’s, wie Doctor Tanner, Manchmal werthgeschätzte Spanner. Auch, dass ich sie nicht vergess, Einzeln selt'ne Bombyces.

Ha! was ist denn dieses da? Smerinthus Populi in Copula!

Trenne nicht das Band der Liebe!

Achte ihre heil’gen Triebe,

Lass sie ruhig Eier legen,

Deun sie freut’s und Dir bringts Segen. Und mit emsigem Bemüh’n

Kannst Du grossen Nachwuchs zieh’n.

Hast Du Dich mal wo vergessen,

Bist Du schmählich durchgesessen,

Bis in Deiner Kneipe Zimmer -

Sacht’ schon dringt der Morgenschimmer: Dann lass’ weit’res Kneipen sein

Und „verduft“ Dich noch im Frei’n; Dort kannst manchmal selt’ne Sesien Um die Zeit von Bäumen lesien. Nur wenn Aug’ und Fuss noch sicher, Sonst könn’n böse „Stecher-Viecher*, Die den Sesien ähnlich sehn,

Aus Verwechslung mit Dir gehn!

Hast Du Deinen Marsch vollendet Heimwärts wieder Dich gewendet, Zähl’ die Häupter Deiner Lieben, Hoffentlich sind’s mehr als sieben. Wenn Du recht die Kunst verstehst, Muss, eh’ Du zu Bette gehst,

Alles schön gespannet sein,

Dass sie später Dich erfreu’n.

Und dann leg’ Dich, wie noch nie, Still vergnügt in das Etui.

Und nun seh’ ich die Gesichter: „Bombardirt der Wasserdichter,

„Nein, ’s ist wirklich zum Scandale, „Uns’re in— ter—na—tio—na—le „—to—mo—lo—gi—sche Verein’gung „So mit schlechter Knittelreim’gung!* Halt, verehrter Herr, nur sacht,

Für Sie ist's gar nicht gemacht,

Und viel klüger wär’s gewesen,

Wenn Sie es gar nicht gelesen!

Doch wenn Jemand, harmlos heiter,

Sich d’ran freut und dann liest weiter, Das ist mir der rechte Mann,

Der auch Unsinn lesen kann!

Ihm send’ freudig ich und gerne Handwerksgruss wohl in die Ferne

Und ruf lustig dann dabei:

„Vivat! uns’re Jägerei!“

Buchstaben-Preisräthsel.

12. Wenn im Theater sich der Vorhang will bald heben, Von allen Lippen rasch dann 1 und 2 entschweben.

3.4 Doch wehe, wenn dann im Getümmel Dein bestes Leichdorn Dir zertrat ein Lümmel,

Dann rufst Du 3 und 4 mit tiefen Schmerzen Und ] und 2 geht nimmer Dir zu Herzen,

92:6.°7..82.9. 10.

Die letzten sechs sind schwer nur zu benennen, Wir heissen Sachen so, wo wir den Nam’ nicht kennen,

Das Ganze.

Mein Ganzes ist ein Mann mit hochberühmtem Namen,

Als Sammler kennst Du ibn, drum sag ich ruhig: Ament. Sein Wohnsitz ist ein Witz, willst Du was von ihm haben, Wenn Du den Mann nicht kennst, so lass dieh nur be-

graben. H, Redlich.

Unter den bis zum 10. d. M. eingehenden richtigen Lösungen von Mitgliedern des Internationalen Entomologen- Vereins entscheidet das Loos und erhält Gewinner folgen- den von unserm Mitgliede Herrn Otto Leonhard inLib- noves ausgesetzten Preis:

2 Badister unipustulatus, 2 Hypocyclus longicornis, 2 Lathrobium atrocephalum, 2 Olibrus geminus, 2 Soronia grisea, 2 Georyssus pygmaeus, 2 Anthasia 4punctata, 2 Carabus v. Scheidlerii, 2 Pachyta Collaris, 2 Otior- rhynchus gemiculatus, 2 Otiorrhynchus gemmatus, 2 Ca- losoma Sycophanta, 1 Chrysomela gloriosa, 2 Chrysochus preciosus, 1 Coeliodes marginatus, 2 Sphenophorus brevi- collis, 2 Dorcadion rufipes, 1 Oberea linearis, 2 Chal- cophora Mariana, 2 Cryptocephalus sericeus, 2 Phytono- mus nigrirostris, 2 Hypena Plantaginis, 3 Sitophilus granarius, 2 Apion frumentarium, 2 Hoplia farinosa, 2 Colymbetes Grapii, 2 Hydrobius fuscipes, 2 Cyclonotum orbiculare, 2 Helophorus nubilus, 2 Helophorus griseus, 1 Carabus intricalus v. Liburnicus, 2 Aphodius tarsatus.

Briefkasten der Redaktion.

Herrn Mattka in Spremberg. Ueber eine besondere Be- handlung der Raupen von Sat. TIsabellae konnte hier nichts in Erfahrunggebracht werden und dürfte V die Zucht derselben % I wohl die gleiche sein, wie die der einhei-